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Was Mode mit Werten zu tun hat

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Heute Abend habe ich die Qual der Wahl. Auf dem Programm steht: 1) das Medienzölibat, 2) die Mode und 3) die internationale Blogosphere. Ich entscheide mich, über das em-faktor Themenspektrum hinauszublicken, und nehme Nr 2, die Mode!

April 2010
Branding Dr. Oliver Viest

Heute Abend habe ich die Qual der Wahl. Auf dem Programm steht: 1) das Medienzölibat, 2) die Mode und 3) die internationale Blogosphere. Ich entscheide mich, über das em-faktor Themenspektrum hinauszublicken, und nehme Nr 2, die Mode!

 

Das Interesse am Thema Mode & Lifestyle nimmt zu, doch der Fokus liegt dabei weniger auf den Printmedien. Alle Welt redet von den Modeblogs und der Beruf der Mode-BloggerIn ist hoch im Trend. Ich bewege mich jetzt zwar in die glitzernde Welt der Mode und ihren verführerischen Produkten, aber an diesem Beispiel lässt sich ein Grundkonflikt aufzeichnen, der viele Blogger betrifft.

 

Chanel
Chanel

 

Glaubwürdigkeit und Transparenz sind hohe Werte in der Netzwelt. Doch gerade die Mode-Blogger geraten in einen Zwiespalt, da sie von vielen Firmen bereits für Werbezwecke entdeckt wurden. Zum einen ist das der Wunsch Geld zu verdienen, andererseits setzt man sein Unabhängigkeit aufs Spiel.

 

Ein weiteres Grundsatzthema zeichnet sich ab: wieviel Text verträgt der Blogbeitrag? „Längere Texte sind gegen die Natur der Sache“, meint die Mode-Bloggerin Julia Knolle von LesMads. Blogs liefern subjektive Meinungen, am besten kurz und bündig. Zeitungen werden wegen ihrer Objektivität und der umfangreichen Hintergrundinformationen gelesen.

 

Unabhängigkeit vs Geld verdienen, tiefgründige Inhalte vs. viele Kommentare und Relevanz? Ratlosigkeit macht sich auf den Gesichtern breit. Die Antwort muss wahrscheinlich jeder Blogger für sich selbst finden.

 

"Print? Muss ich das erklären?"
Tilmann Prüfer, Redakteur bei DIE ZEIT //
LebenWeb 2.0
Dr. Oliver Viest
Geschäftsführer em-faktor, zertifizierter Gemeinwohl-Ökonomie Berater (GWÖ) und Vorstandsmitglied GWÖ Baden-Württemberg, Schulungspartner Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK), Dozent mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und CSR unter anderem an der HfWU Nürtingen-Geislingen, Fresenius Hochschule Idstein und an der FR Akademie (CSR-Manager). Begleitet unter anderem die weltweit ersten kommunalen Betriebe bei der Gemeinwohl-Bilanzierung und der Nachhaltigkeitskommunikation in Stuttgart.
Alle artikel von: Dr. Oliver Viest

Kommentare

    1. Susrich

      „Unabhängigkeit vs Geld verdienen, tiefgründige Inhalte vs. viele Kommentare und Relevanz?“

      Ein sehr schöner Beitrag, doch scheint mir der Titel etwas missverständlich. Offensichtlich geht es nicht um ‚Mode und Werte‘ sondern um das ‚Schreiben über Mode und Werte‘. Auch kann ich die oben zitierte Frontstellung zwar verstehen doch nicht wirklich nachvollziehen. Sicherlich stellen sich viele, wenn nicht die meisten eben diese Frage. Motto: Sell your skills and not yourself. Aber m. E. liegt die Schwierigkeit, ‚tiefgründig‘ zu sein im Medium Blog selbst. Wie kann man auf einer Bildschirmseite für ein geschwindes Lesen tiefgründig sein? Höchstens doch aphoristisch vieldeutig (wobei diese Vieldeutigkeit, um Funken zu schlagen, einen geistigen wie zeitlichen Resonanzraum benötigt, den es im Netz so kaum gibt). Zum anderen braucht ‚Tiefgründigkeit‘ Zeit, Sorgfalt und Mühe. Zeit ist hier nicht auf das Schreiben und Rezipieren eines Textes bezogen, sondern auf die Wertperspektive, die jemand anlegt, um ‚tiefgründig‘ zu sein. Ein guter Schreiber tritt bei seinem Schreiben aus dem Trubel zurück und reflektiert das, worüber er schreibt. Er vergleicht die verschiedenen Ereignisse, greift auch schon mal auf Erfahrungen der Vergangenheit zurück (Gedächtnis und Erinnerung) und kommt zu Schlüssen, die über das jeweilige Ereignis herausragen. Aber eben daran ist ja niemand am Markt interessiert. Denn hier geht es allein darum, ob etwas funktioniert oder nicht. Erkenntnisgewinn spielt hier keine Rolle. Jeder hat Interesse daran, ob und dass etwas funktioniert, nicht, warum und wie, nach welchen ‚Werten‘ etc. Und wie wir ja an den verschiedensten Ereignissen ablesen können (von der Finanzkrise bis hin zu der Spökenkiekerei der Trendforscher) funktioniert der Markt offensichtlich völlig irrational und vorläufig – prinzipienlos ohne Vergangenheit und Zukunft. Das hat weitreichende Folgen. Zum einen empfinden die Macher von Ereignissen am Markt die Suche nach grundlegenden Ursachen (wozu auch ‚Werte‘ zählen) ihres Tuns, ihres Erfolgs und Misserfolgs, es überflüssig, ‚tiefgründig‘ zu sein, solang sie nur machen und Erfolg damit haben. Zum anderen entsteht aus dieser ‚Prinzipienlosigkeit‘ Angst, dass jemand das beurteilen könne, was man macht und damit das eigene Tun nicht nur in Frage stellen könnte sondern – viel schlimmer noch – lähmen (der viel gepriesene ‚work flow‘ wird durch Tiefgründigkeit nur unterbrochen).

      Die tiefe allseitige und grundsätzliche Abneigung gegen ‚Tiefgründiges‘ zeigt sich an der Metamorphose des Managers. Aus Verwaltern und Buchhaltern sind ‚Macher‘ geworden. Der Macher ist das Leitbild unserer Zeit. Er ist Gewinner. Der Looser sitzt rum und ist ‚tiefgründig‘ (hat es also mithin nötig, seine Haut zu Markte zu tragen). Der Macher, das wusste schon Aristoteles, kennt keine Kausalitäten und Prinzipien. Er weiß nur, dass es funktioniert, nicht auch das Warum.

      • Christine Deutschländer

        Da gebe ich Dir recht, der Titel ist etwas missverständlich. Ich war zunächst überrascht, dass gerade bei den Modebloggern eine Werte-Debatte geführt wurde und das Thema „Tiefgründigkeit“ auf den Tisch kam. Auf den zweiten Blick ist es gar nicht so verwunderlich. Ist es doch die Modebranche, die als oberflächlich und konsumorientiert gilt. Ich hätte einfach noch ein Fragezeichen ans Ende des Titels setzen sollen!

        Ein Blog ist keine Zeitung, da gebe ich Dir recht. Ich bin aber immer wieder überrascht, wie sorgfältig und durchdacht viele Blog-Beiträge sind. Gerade wenn es um spezielle Themen geht, sind einige Schreiber doch sehr in der Materie drin. Interssant ist der Gedanke, dass im Hinblick auf die Echtzeit-Kommunikation, die Blogs sich zum eher tiefgründigen Medium entwickeln oder zurückfinden. Don Dahlmann hat diese Beobachtung beschrieben: Für Kurzes gibt es „Linkschleudern“ wie Twitter (schöner Ausruck), für den Blogbeitrag nimmt man sich wieder mehr Zeit.

        Am Wochenende habe ich noch einen weiteren, interessanten Beitrag in diesem Zusammenhang entdeckt. Die Wochenzeitung Die Zeit hat in einem Artikel die Frage aufgeworfen, wie das Internet die Literatur verändert. Eine interessante Antwort kommt aus New York. Um die Verlage Melville House und Muu Muu House hat sich wohl eine kleine Autorengemeinde entwickelt, die so etwas wie literarische Qualität in die Chatrooms bringt. Der Schreibstil dieser Autoren ist geprägt durch die digitale Lebenswelt und sie haben früh Blogs geschrieben, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichten.

        Ich denke schon, dass Menschen sich für die Meinungen anderer interessieren, sonst würde niemand andere Blogs lesen. Mit dem höheren Erkenntnisgewinn ist das wahrscheinlich eine andere Sache.

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